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Die Zeit danach
Gästebuch 4

26.02.2006

In meinen Diarys wimmelt es von Rechtschreibfehlern, Wortwiederholungen und zu langen Absätzen. Dieses ist darauf zurückzuführen, dass ich die Tagebucheintragen mit vielen Tränen und unter enormen Belastungen geschrieben habe. Dies im Nachhinein zu ändern, wäre nur ein Verfälschen. Bitte haben Sie Nachsicht mit mir;-) 

Es ist immer besser, die härteste Wahrheit zu ertragen,

                         als sie  zu verschleiern und in einer Illusion zu leben.

                                          ( Karl Jarpen )

Patty wird wahrscheinlich nie wieder gesund. Er leidet unter einer Form der Schizophrenie die sehr schwer behandelbar ist und der man auch recht ungünstige Prognosen voraussagt. Er hat seid dem 23. Dezember keine Drogen mehr genommen und seine Krankheit kristallisiert sich immer mehr raus. Wir haben mit anderen Eltern gesprochen, deren Kinder die gleiche Krankheit haben. Zumindest wissen wir jetzt was Fakt ist und was uns wahrscheinlich erwarten wird.

Armin und ich müssten erst einmal den Schock verarbeiten. Die Frage stellt sich nur, ob er sich mit Drogen ruiniert hat oder nicht. Eigentlich ist es auch egal,…. Er hat nun mal diese Krankheit. Betreutes Wohnen kommt im Moment nicht in Frage, die Wartezeit ist einfach zu lang. Wir wissen jetzt dass Patty mit dieser Krankheit nicht allein leben kann und haben nach reichlicher Überlegung und mit Absprache meiner restlichen Familie beschlossen Patty wieder aufzunehmen. Ich glaube das ist erst mal die beste Lösung. Wir richten ihm gerade ein Zimmer ein, wo er sich zurückziehen kann. Pattys Ärztin hat uns gesagt, dass Patty einen geregelten Tagesablauf haben muss. Die Angehörigen aus der Gruppe meinten, dass wir uns einfach mit dem Schicksal abfinden müssen und Pattys Krankheit akzeptieren.

Zurzeit ist Armin zu Hause, immer noch arbeitsunfähig und kann sich erst mal um alles kümmern. Meine Mutter unterstützt uns auch. Die Betreuerin beantragt über das Jugendamt ( Für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsende bis 27 Jahre ) eine Familienpflegerin, so das Armin und ich auch mal für uns etwas unternehmen können, ohne das wir uns Sorgen machen müssen. Cally hat die Nachricht recht gut verkraftet, er geht auch recht vernünftig mit der Situation um. Ich mache mir aber mehr Sorgen um meinen Jüngsten „ Sammy .“ Er kommt mit der Situation nicht klar, dass sein Bruder nicht mehr gesund wird. Er gibt sämtlichen ihm bekannten Dealern in unserer Stadt die Schuld an Pattys Erkrankung, obwohl ich ihm gesagt habe, dass wir nicht sicher sind  ob diese auch drogeninduziert ist. Seine ersten Prügeleien zwischen seiner Clique und Ihnen hat er da schon hinter sich. Er begibt sich da auf ein ganz gefährliches Pflaster  und doch kann ich ihn da kaum stoppen. Er war ja noch sehr jung, als alles anfing, hat unsere Hilflosigkeit und die Tatenlosigkeit der Behörden mitbekommen, ist quasi damit groß geworden. Er hat Patty immer bewundert und zu ihm aufgeschaut. Seid einiger Zeit merkt er das Patty sich zurückentwickelt hat und und jetzt auf dem Stand des kleinen Bruder ist auch wenn er 6 Jahre älter ist. Sammy mein mittlerweile 16järiger hat Patty an Reife und Geist überholt und das tut weh. Teilweise ist mein 10jähriger Neffe geistig reifer als Patty und ich weiß Patty wird sich nie ändern, im Gegenteil es kann sich nur noch verschlimmern.

09.03.2006

Das Zusammenleben mit patty erweißt sich im Moment noch als äußerst problematisch  Nach reiflicher Überlegung haben Armin und ich beschlossen, dass jedes unserer Kinder ein eigenes Zimmer braucht um sich zurückziehen zu können. Leider ist alles noch notdürftig eingerichtet. Habe jetzt eine Woche Urlaub um alles zu organisieren und auch renovieren zu können. Der Umgang mit Patty ist auch recht kompliziert, sogar recht anstrengend. Sein Verhalten, die Mimik und Aussprache sind oft der gegebenen Situation nicht angemessen. Es ist schwer darauf einzugehen und auch damit umzugehen. Das betrifft weniger mich selbst, als den übrigen Familienmitgliedern. Wir müssen in der Hinsicht sehr viel lernen. Die notwendige Unterstützung erhalten wir da, beim psychosozialen Trägerverein wo wir in der Angehörigengruppe eingetreten sind. Alles steckt bei uns einfach noch in den „ Kinderschuhen“ und muss erst mal wachsen. Die finanzielle Sache ist hier auch noch nicht geklärt. Armin wollte zuerst die Vermögensfürsorge übernehmen, was wir aber jetzt doch der Betreuerin überlassen werden. Wir müssen für Patty die Grundsicherung beantragen( eine Art Rente), da er im Moment absolut  nicht arbeiten kann und das Theater mit dem Arbeitsamt ( Hartz 4 ) aufhört. Ich weiß auch, dass die Mühlen der Behörden wieder sehr langsam laufen werden. Das hatten wir ja schon alles hinter uns.  Trotzdem bereuen wir trotz aller Hürden unsere Entscheidung Patty aufzunehmen nicht. Nach wie vor ist er drogenfrei. Ich weiß auch es wird eine schwere Zeit und trotzdem gibt es die eine Hoffnung wenn auch nur gering, dass er irgendwann trotz seiner Krankheit ein eigenständiges Leben führen kann. Das weiß ich mittlerweile durch die Angehörigengruppe. Ich klammere mich jetzt nicht an den Funken Hoffnung, aber für mich möchte ich einfach das Gefühl haben ihn auf diesen Weg zu begleiten wenn möglich. Das geht einfach nur wenn er einen gut organisierten Tagesablauf hat und weiß wo er sesshaft ist, denn bis ein Platz zu. Betreutem Wohnen frei wird hätte er hierfür keine Chance. Es ist natürlich kein Garant dafür, dass es funktioniert, aber ohne unsere Entscheidung würde er verwahrlosen und vielleicht wirklich ein Dauergast in der geschlossenen Psychiatrie werden.

23. April 2006

Je länger Patty bei uns wohnt, um so bewußter wird es uns wie karank er wirklich ist. So viel Zeit hatten wir ja vorher nicht zusammen verbracht. Die Angst das wir irgendwann nicht mehr zu schaffen ihn weiter bei uns zu betreuen macht sich natürlich breit. Er hat im Moment ja keine akute Psychose, aber ein sogenannten rezidieven Restzustand. Immer wieder stellt er sich selbst die Frage in welcher Welt wir leben, denn seine Welt ist für ihn die richtige. Sehr oft verhält er sich wie ein kleines Kind, manchmal auch genauso provuzierend, so als wenn er seine Grenzen ausstecken will. Manchmal ist er übermütig und schlägt über all unsere gesetzten Grenzen, manchmal paranoid( z. B.alles muß verschlossen werden, um einen Notruf schalten zu können, geht er nur mit Telefon ins Bett), konzentrieren kann er sich keine 5 Minuten lang und er ermüdet sehr schnell, wenn er sich konzentrieren muß. Sehr oft ist er so abwesend, so das man wenn man ihn anspricht er überhaupt nicht reagiert. Er wirkt meistens künstlich in seiner Ausprache und seiner Gestik. Häufig ist er auch nachtaktiv, was aber bei dem Krankheitsbild ganz normal sein soll. Drogen hat er  bisher immer noch nicht konsumiert.. Armin und mein größtes Problem ist eigendlich, dass wir nicht wissen wie weit dieses Krankheitsbild noch führt. Man liest nicht viel darüber, höchstens was von einer psychischen Versandung, was uns überhaupt nichts sagt. Nachdem wir hier renoviert haben und jedem unserer Söhne eigene Zimmer eingerichtet haben klappt das Zusammenleben unter den Brüdern jetzt wieder besser. Jeder kann sich zurück ziehen.

Ich schreibe an diesem interaktiven Tagebuch schon sehr lange und weiß noch nicht wann oder wie ich es beende.

Ich möchte einfach nur erwähnen, das nicht jede Drogensucht so endet wie bei meinem Kind. Es gibt mehr Fälle in denen Drogensüchtige wieder clean werden und wieder ein eigenständiges Leben führen.

Bei Patty sprechen Fachleute ( Drogenberatung ) von einem tragischen Einzelschicksal. Ich habe diese " tragischen Einzelschicksale " in gehäufter Form in der Psychiatrie gesehen und denke Fachleute, Ärzte und Betreuer werden verdammt noch mal umdenken müssen. Die Vielfältigkeiten an Rauschmitteln die mit jeder Menge Chemie und Giftstoffen gestreckt sind, erobern den illegalen Markt und unsere Kinder werden verführt diese zu nehmen. Ich denke mir mal in 5 bis 10 Jahren spricht keiner mehr von einem tragischen Einzelschicksal, dann werden Psychiatrien voll von drogeninduzierten und auch chronischen Psychosen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenden sein. Für meinen Sohn kommt dann diese Einsicht leider zu spät. Jedem Kind, jedem Jugendlichen und auch Erwachsenen die diese Seiten lesen, möchte ich einfach nur schreiben, Patty ist kein Paradebeispiel wie so eine Sucht endet, aber einer der traurigen Wege wohin eine Sucht führen kann. 

17.05.2006

Leider hat sich das Zusammenleben mit Patty als unüberwindbare Herausforderung ergeben. Immer mehr bin ich der Überzeugung dass ich von meiner Familie mehr erwartet habe, als sie in der Lage ist zu geben oder zu tun. Wir waren uns tatsächlich einig, dass wir Patty alle zusammen helfen können. Leider war dies ein Trugschluss. Ich selbst mit meinem Latein am Ende. Patty wurde zunehmend aggressiver. Verbal beschimpfte er uns und seine Geschwister. Gleichzeitig erzählte er uns versponnende Geschichten, die er angeblich erlebt haben soll. Mein Mann hat mit ihm einen neuen Personalausweis beantragt, wobei er nicht in der Lage war in irgendeiner Form den Antrag auszufüllen oder auch eine Unterschrift in der richtigen Zeile zu setzen. Vielleicht bemerkte er hier zum ersten Mal das er Fähigkeiten die er mal hatte verliert. Auf jeden Fall beschimpfte er dann meinen Mann sowie die Sachbearbeiterin aus dem Bürgerbüro. Die Schuld hierfür liegt natürlich nicht bei ihm selbst.

Sein Verhalten war für uns immer unerklärlicher und auch unerträglicher. Mit Sammy prügelte er sich dann auch, wobei wir dann überlegten, dass dies kein Zustand des Zusammenlebens mehr ist. Vielleicht habe ich mich zu sehr an den Funken Hoffnung geklammert ihm durch unser durchorganiesiertem Familienleben ein zu Hause zu geben, wo er sich rehabilitisieren kann. Leider wurde ich eines besseren belehrt,

Sonntag dann am Muttertag eskalierte die Situation. Meine Mutter hat alle Kinder und Enkelkinder zum Kaffee und späterem Grillen in Ihrem Schrebergarten  eingeladen. Es war auch ein schöner Nachmittag. Alle waren mal nach langer Zeit wieder vollzählig. Dann ging alles ziemlich schnell. Patty ging auf Armin los. Er schubste ihn gegen die Palisaden die zum Nachbarsgarten führten. Es kam zu einer regelrechten Schlägerei .Ich möchte jetzt nicht weiter in Details verfallen. Es ging viel zu Bruch, irgendwie schaffte mein Bruder die Beiden auseinander zu bringen und ich brachte mit Mühe und Not dann Patty nach Hause. Patty wurde auf dem Weg nach Hause immer aggressiver, so dass ich die Polizei rief. Leider fanden die Beamten Patty wieder in einem beruhigten Zustand an, so dass sie lediglich ein Hausverbot in unsere Wohnung erteilten. Warum sie ihn nicht mitgenommen hatten, weiß kein Mensch. Unsere Aussagen über sein agressivesVerhalten sowie auch das er schizophren ist und eigentlich einen Schub haben muss langten den Beamten nicht. Später erst erfuhren wir, dass wir den Psychosozialen Trägerverein hätten anrufen müssen, die wären sofort mit fachkundigem Personal vor Ort gewesen. Leider war dem nicht so, wir wussten es ja nicht. Seitdem treibt sich mein Sohn durch die Gegend. Taschengeld das er sich bei seiner Betreuerin abholen sollte, war er auch verbal sehr aggressiv. Leider ist das im Moment kein Akutfall, so das man wegen eigen oder Fremdgefährdung etwas tun könnte. Die Polizisten haben am Sonntag schlichtweg die Situation verkannt, meint Pattys Betreuerin sowie der Psychosoziale Trägerverein. Wenn ich bedenke, wie oft so einen Situation schon verkannt wurde, wie oft wir uns alleine fühlten, es war nicht das erste Mal und wird auch nicht das letzte Mal sein. Patty muss auf jeden Fall wieder in die Klinik. Mir macht einfach nur Sorgen, weil er noch nie aggressiv war. Immer hatte er den normalen Respekt den man seinen Elternund Großeltern entgegen bringt

Mir selbst geht es dabei nicht gut. Habe mich von meiner Arbeitsstelle für zwei Tage beurlauben lassen. Ich habe nur noch geschlafen. Von gestern Nachmittag an bis heute Abend mit kurzen Unterbrechungen. Immer noch bin ich müde. Mich wach zu halten fällt mir sehr schwer. Ich fühle mich nur noch erschöpft. Hoffentlich fange ich mich wenigstens wieder.

Armin verzeiht es sich selbst nicht in der Situation ruhiger oder anders reagiert zu haben. Er hat sich doch lediglich gewehrt und das ist verzeihlich. Ich hoffe nur das die Betreuerin von Patty etwas erwirken kann, so das er schnellstmöglich in der Klinik kommt und die notwendige Behandlung kriegt,  denn auf den Trip auf den er sich zur Zeit bewegt kann das nicht lange gut gehen.

17.06.2006

Leider hat sich die Situation nicht verbessert. Seid ca. 1 ½  Wochen ist Patty verschwunden. Die letzten Telefonate die wir führten, waren von einer Gendarmerie (die ihn 24 Stunden festhielten) in Frankreich und später rief er noch einmal aus Süddeutschland an.

Ich vermutete zuerst, dass er sich bei seinem Cousin melden wollte, doch das hat er nicht. Seid dem hörten wir nichts mehr. Am Dienstag hätte er sein Medikament gespritzt bekommen müssen. Beim letzten Anruf haben Armin und ich gemerkt wie psychotisch er war. Ich weiß nicht wie er ohne Geld von Frankreich nach Süddeutschland gekommen ist, ich weiß gar nichts. Am Montag werden seine Betreuerin und ich eine Vermisstenanzeige machen, gerade deswegen weil er dringend sein Medikament braucht. Die Ungewissheit und die Angst um Ihn machen mich verrückt. Er wirkt auf andere Menschen sehr seltsam, gerade das ist das beunruhigende. Man sieht ihm ja nicht an, dass er krank ist. Er hat ein albernes läppisches Verhalten, ist sehr nachtaktiv, bekommt zwischendurch unangebrachte Lachflash`s, das kann manchen Aussenstehenden bitter aufstoßen. Mehrmals  hatten wir hier ja schon damit zu tun.

Natürlich weiß ich, das wenn etwas passiert wir irgendwie Bescheid bekommen, aber diese Ungewissheit……….!!!!!!!!!

Ich selbst kann nachts kaum schlafen und komme dafür tagsüber wenn ich frei habe nicht zu Potte. Ich liege den ganzen Tag im Bett und schlafe, schlafe, schlafe. Ich weiß, dass das nicht richtig ist. Ich weiß nicht warum ich mich nicht aufraffen kann um für die Kleinigkeiten des Alltags zu funktionieren. Es klappt ja wenigstens noch in meinen Beruf. Jedoch zu Hause bin ich wie ausgepowert sehr zum Leidwesen meiner Familie. Sie leidet darunter, insbesondere weil ich so leide. Ich weiß es und ich kann mich trotzdem nicht aufraffen. Früher war ich die Starke, ergriff in solchen Situationen die Initiative, habe allein für den Rest meiner Familie versucht das Beste aus allem zu machen. Ich packe das im Moment nicht. Ich erkenn mich selbst nicht wieder. Ich könnte doch so stolz sein. Cally beginnt bald eine Ausbildung zu informationstechnischen Assistenten mit Qualifikation und Sammy hat trotz aller Hürden seinen Hauptschulabschluss geschafft und geht im Sommer ein Berufsgrundschuljahr auf der Technikerschule Fachrichtung Drucktechnik. Das sind doch Erfolge die mich stolz machen könnten. Trotzdem fällt und steigt mein Befinden mit dem Auf und Ab von Pattys Situation.

Vielleicht liege es daran weil ich mich auf  und um nichts mehr freuen kann. Draußen haben wir schönes Wetter, ich war immer ein Sonnenkind und jetzt verkrieche ich mich in meiner düsteren Wohnung, weine bitterlich auch während ich dieses hier schreibe. Ich verfalle regelrecht in Selbstmitleid, vermisse meinen Kampfgeist und meinen Lebensmut.

19. Juni

Seid heute morgen ist wieder da. Zur Zeit ist er beim Arzt das Medikament spritzen lassen. Es geht ihm gut. Wie es immer so ist, es geht ihm besser wie mir. Alles andere klären wir gleich mit seiner Betreuerin.

 

20. Juni 2006

Ich habe Patty wieder gehen lassen

Für mein Kind,

ich weiß nicht wann und ob Du diese Zeilen irgendwann liest, denn Du weißt von dieser HP und dem virtuellem Tagebuch. Das Bedürfnis in diesem  zu lesen hattest Du allerdings noch nicht.

Ich habe in den letzten Jahren viel Zeit damit verbracht um Dich zu kämpfen und vielleicht so wie Du es siehst deine Bedürfnisse in Frage  gestellt.

In den ersten Stunden als Du geboren wurdest und auf meinem Bauch lagst, war ich so voll Liebe ich kann Dir dieses Gefühl einfach nicht beschreiben. Der Geburtsschmerz war weg und Du warst da und alles andere schien mir so nebensächlich. Ich war so unheimlich stolz dieses Leben auf die Welt gebracht zu haben, ich glaubte endlich etwas geschafft zu haben was so einzigartig für mich und deinen Vater war. Dein Vater war 19 Jahre und ich gerade 20 Jahre alt. Man traute uns nicht zu ein Kind in die Welt zu setzten, wir waren ja noch jung und trotzdem warst Du der Anlass, das wir noch vor deiner Geburt heirateten. Ich wollte einfach nur eine gute Mutter und eine gute „ Familie“ für dich sein. Nichts erschütterte uns, ob es finanzielle oder andere Probleme waren. Trotz aller ungünstigen Prognosen unserer damaligen „ Freunde "sind wir heute 23 Jahre verheiratet.

Ich  habe immer das Beste für Dich gewollt, genauso wie für deine zwei jüngeren Brüder. Vielleicht habe ich nicht alles richtig gemacht, ich wurde ja auch nicht als Mutter geboren jedoch oft nach meinen Bauch gehandelt. Dass Gefühl schien mir manchmal wichtiger, als mein Verstand. Vielleicht war das auch zu dem Zeitpunkt, als ich die ersten Drogen bei Dir fand. Vielleicht habe ich gedacht das Gespräche und der Besuch bei der Drogenberatung das Beste in der damaligen Situation waren. Vielleicht wäre dein Weg ein anderer gewesen, hätte ich dich damals härter bestraft. Keiner kann mir bis heute eine Antwort darauf geben.

Ich habe mir unendlich viele um Dich Sorgen gemacht. Immer wieder frage ich mich ob Du weniger trotzig reagiert hättest, wäre ich etwas gleichgültiger gewesen. Du warst damals noch ein Kind, eigentlich hattest Du nie eine Pubertät, denn diese wurde überschattet aus Drogenkonsum und Rausch. Ich glaube auch hierfür werde ich nie eine Antwort bekommen.

Ich bekam mit wie Du immer mehr ins Abseits gerietst, konnte dich nicht aufhalten, sah oftmals mehr und mehr mit, als du in deine eigene Welt geglitten bist. Patty das ist nicht das was man seinem Kind wünscht.

Ich bin mir sicher das Du seid dem 23. Dezember keine Drogen mehr nimmst und trotzdem verändertest Du dich unaufhörlich. Mittlerweile weiß ich das dies zu deinem Krankheitsbild gehört und Du weißt es ja auch, auch wenn Du dies nicht wahrhaben willst. Deine blöde Krankheit hat eine sehr ungünstige Prognose, du hast ja dieses Schreiben gelesen, dass Dir deine Ärztin mitgegeben hat. Ich klammere trotzdem an dem kleinen Funken Hoffnung.

Als  Du nach deinem Verschwinden wieder vor unserer Tür standst ist mir aufgefallen, dass es Dir besser geht als mir. Du willst einfach mehr von der Welt sehen, als ich sie Dir zeigen kann. Du siehst die Welt mit deinen Augen und Du möchtest gerne mehr sehn. Patty ich habe verstanden!!!!!! Warum habe ich etwas dagegen das Du die Welt in deiner unbekümmerten und heiteren Art siehst. Du bist ja nicht hilflos wie ein kleines Kind. Du konntest Dir selbst helfen und auch den Weg wieder nach Hause finden. Dir ging es richtig gut. Du bist glücklich und immer noch fähig die Welt zu bereisen. Solange Du das kannst tu es, denn kein Mensch kann uns sagen wohin dich deine Krankheit führt. Vielleicht kannst Du das alles später ja nicht mehr. Vielleicht gibt es aber doch eine Zukunft, nämlich deine eigene, die Du möchtest und nicht die, die ich für dich gewünscht habe. Deswegen habe ich dich wieder gehen lassen. Loslassen ist vielleicht besser als dich einzuengen in Kliniken die Dir ja doch nicht helfen können. Ich liebe dich mein Kind und ich bin in Gedanken bei Dir. Melde dich, lass es mich wissen wie es Dir geht. Genieße dein Leben solange wie Du es möchtest und so lange Du kannst. Vielleicht siehst Du ja dein Leben auch als  das Bessere als meins.

Alles, alles  Liebe

Deine Mom 

 

03.07.2006     

Es sind fast zwei Wochen vergangen. Die letzte Nachricht von Patty habe ich aus der Schweiz bekommen. Da war er auf dem Weg nach Frankreich und wollte weiter nach Spanien. Ich weiß das er keinen Cent in der Tasche hat und trotzdem schlägt er sich irgendwie durch. Er scheint ein richtiger Lebenskünstler zu sein. Bis dato ging es ihm richtig gut. Er hätte sein Medikament gespritzt kriegen müssen, dass macht mir natürlich Sorgen. Ich habe ja selbst gemerkt, wie er sich verändert. Vielleicht muß er es auch selbst merken. Natürlich hat mir die Entscheidung sehr weh getan ihn gehen zu lassen, aber mir blieb auch keine andere Wahl. Meine Familie kommt trotz alle dem zur Ruhe. Ich merke selbst das es ihr gut tut. Mein Mann sieht die Sache auch ein bisschen lockerer. "Patty hat einen Ausweis bei sich, wenn etwas passiert, werden wir sofort benachrichtigt ", erklärt er mir immer wieder. Ich selbst habe mir ein bisschen Unterstützung in der Angehörigengruppe geholt. Dort versteht jeder meine Angst und sie meinen ich hätte anders nicht reagieren können. Na ja, ich weine noch immer sehr viel und ich weine so lange ich weinen mag. Immerhin habe ich Urlaub und muss nicht mir verheulten Augen zur Arbeit gehen. Allerdings weine ich nur, wenn ich alleine bin, so wie jetzt.

Ich weine und schreibe und trauere. Wenn gleich meine Familie nach Hause kommt, bin ich wieder die Alte. Ich möchte nicht das man sich auch noch um mich Sorgen macht. So geht es dann, auch wenn ich das Gefühl habe das die Zeit nur so dahin kriecht.  Es sind doch schon 14 Tage, die er unterwegs ist. Ich hoffe das ich es niemals bereuen werde, ihn gehen zu lassen .

8.Juli 2006

Patty ist nicht weit gekommen. Am 5. bekamen wir eine Anruf von einem Arzt aus einer Psychiatrie in der französischen Schweiz. Dieser Arzt der sich meldete ist Deutscher und es ist ein Glück ihn zu haben, da in dieser Region die wenigsten Menschen Deutsch sprechen. Er erzählte uns das Patty letzte Nacht in dieser Psychiatrie eingeliefert wurde. Ihm ginge es gut, aber irgendwie muss er wieder zurück nach Deutschland. Da er sich auffällig verhält ginge das nur mit einem Krankentransport. Der kostet allerdings, wenn kein Kostenträger ermittelt werden kann sehr viel Geld. 

Sofort setzte ich mich mit unserer Krankenkasse in Verbindung, mit dem Ergebnis das diese die Kosten für das Krankenhaus übernehme, aber nicht für die Rückführung.

Armin und ich beschlossen dann selbst dorthin zu fahren um Patty zu holen. Wir sollten dann am nächsten Tag Mittags im Krankenhaus sein um Patty zu holen.

Wir fuhren in der Nacht los um pünktlich dort zu sein. Mit dem Arzt hatten wir auch während der Fahrt telefonischen Kontakt. Endlich angekommen hatte uns die Klinik Mittagessen reserviert und wir aßen mit diesem sehr angagierten Arzt zusammen. Er erzählte uns von den Behandlungsmethoden in der Schweiz, sowie klärt er uns über Pattys Krankheitsbild auf und beriet uns wie wir weiter vorgehen sollten. Ich kann einfach nicht beschreiben wie sehr ich diesem Arzt dankbar bin. Er war sehr bemüht die Rückführung so gut es geht vorzubereiten. Gleichzeitig hatte dieser Arzt aus der Scdhweiz einen Termin für Patty am nächsten Tag bei der behandelnden Ärztin in unserem Wohnort arrangiert. Zudem stan er auch mit ihr im ständigen telefonischen Kontakt. Er erzählte uns das Patty in einem sehr verwahrlostem Zustand aufgefunden wurde. Als ich Patty dann sehen durfte war er gewaschen, rasiert, die Klamotten sauber. Dafür hat die Klinik gesorgt. Patty bekam zu diesem Zeitpunkt schon Tavor ( ein starkes Beruhigungsmittel ) um ihn auf die lange Fahrt vor zu bereiten.) Trotzdem habe ich mich erschrocken. Er ist in einem erbärmlichen Zustand. Abgemagert, bis auf die Knochen und überall blaue Flecken die noch von der Einlieferung waren, da er sich heftig gewehrt haben muß. Der Arzt organieserte noch eine kleine Sitzung mit uns und Patty um auf die Verhaltensregeln während der Fahrt aufmerksam zu machen. In der ganzen Zeit in der wir noch in der Schweiz zurückfuhren, war er noch mit uns in telefonischen Kontakt. Wenn Patty auffällig werden sollte, während der Fahrt sollten wir dann die nächste Psychiatrie anfahren. Alle 3 Stunden bekam Patty dann Tavor von uns. Die Rückfahrt klappte problemlos. Nachts waren wir dann endlich zu Hause. Am nächsten Tag bei Pattys Ärztin, die ihn dann wieder in die Klinik eingewiesen hat. Dieser Arzt rief uns nochmals an, als wir schon längst wieder zu Hause waren. Er wollte sich nochmals erkundigen wie es uns geht.  

Ich kann einfach nicht beschreiben wie ich diesem Arzt und auch dieser schweizer Klinik dankbar bin. Ich hatte nicht einen Moment das Gefühl alleine zu sein. Man hatte meinen Sohn sehr gut behandelt und uns sehr herzlichst empfangen. Dieser Arzt hat über die Grenzen hinaus mehr bewirkt als unsere heimischen Ärzte die Patty schon Jahre behandeln.

16.07.2006

Patty ist nun seid einer Woche in der hiesigen Klinik. Laut Drogenscreening ist er drogenfrei. Seine Erkrankung bleibt. Er ist sehr kindlich, allerdings viel ruhiger,als in den letzten Tagen. In der Klinik bekam er wieder Krämpfe, obwohl er kein Medikament bekam, was diese verursachen könnte. Die Ärzte meinten dass die Krämpfe psychogen wären und gaben Patty deswegen kein Mittel dagegen. Erst auf mein Drängen hin gab man ihm Medikamente Wie es jetzt weiter gehen soll, weiß ich nicht. Betreuungsmöglichkeiten in Form von Wohngruppen etc. haben lange Wartezeiten. Ich überlege,  Patty  in der Tagesklinik bei uns im Psychosozialen Trägerverein anzumelden. Das muss allerdings noch mit der Betreuerin und vor allen Dingen mit ihm abgeklärt werden. So wäre er tagsüber in Behandlungen und Therapien und könnte dann weiterhin bei uns wohnen. Dass er wieder in die Obdachlosigkeit verfällt, werde ich auf keinen Fall zulassen. Ich schreibe hier und überlege wie es weiter gehen soll, dabei ist immer alles schief gegangen wenn ich Pläne geschmiedet habe. Ich kann nicht planen,…………….ich muss es auf mich zu kommen lassen. Es ist einfach so be********, wie sehr diese Situation unser ganzes Leben beeinflusst.

22.Juli 2006-07-22

Pattys Betreuerin meint, dass es für alle Beteiligten das Beste wäre, das Patty in ein Wohnheim  ziehen sollte. Anders allerdings als das betreute Wohnen, sondern speziell eingerichtet für psychisch Behinderte. Pattys Krankheitsbild wird sich weiter verschlechtern und wir als Familie müssen langsam zur Ruhe kommen, denn wir hätten alles versucht. Sie hat Recht. Ich kann Patty nicht das geben, was ihm vielleicht die Therapeuten geben können.

Die Betreuerin hat sich mit mehreren Heimen in Verbindung gesetzt und hofft auf Grund der Schwere der Krankheit schnell einen Platz zu finden. Patty das beizubringen war natürlich sehr schwer. Nach wie vor hat er keine Krankheitseinsicht, ist abwechselnd aggressiv verzweifelt und sehr traurig. Immer mehr merke ich, dass er die wahre Realität nicht mehr erkennt. Er ist gefangen in seiner eigenen Welt. In der Klinik in der er jetzt ist, kommt das Pflegepersonal nicht mit ihm zu Recht. Für andere wirkt er mittlerweile läppisch, seine Aussprache ist teils asozial, einige Stunden später wiederum  höflich. Er genoss einmal eine gute Erziehung, von der nur noch in Ansetzen etwas zu merken ist. Was ist aus meinen kleinen Jungen nur geworden???????????????????????? 

30.06.2006

Die Ärzte in der Klinik haben die Dosis der Depotspritzen erhöht. Anfangs hatte Patty wieder mit den starken Nebenwirkungen zu kämpfen (Parkinson Syndrom), doch jetzt geht es ihm wieder besser. Patty musste in der Klinik an für ihn extra angeordneten Regeln halten, nur dann durfte er mit Pflegepersonal 30 Minuten raus. Das klappte ganz gut, so das wir ihn gestern für ein paar Stunden nach Hause holen konnten. Ich muss sagen, er hat sich wieder gut erholt, ist ruhiger auch wieder viel höflicher. Was ein bisschen erschreckt ist, das er kaum Mimik zeigt. Sein Gesicht wirkt irgendwie versteinert, aber ich hoffe, dass ist das kleinste Problem. Noch immer haben wir keinen Platz für ihn, es sind einfach zu lange Wartezeiten. Leider hebt sich die Zwangseinweisung am 8. August auf und er kommt aus der Klinik. Ich weiß leider noch nicht, wie ich alles organisieren soll, wenn er dann vorübergehend bei uns wohnt. Cally und Sammy sind ganz schön genervt, sie werden halt erwachsener, haben andere Interessen und reagieren manchmal ganz schön gereizt auf Pattys „ Kindereien“. Leider ist es so, das Patty wie ein verzogenes kleines Kind wirkt, obwohl er ein erwachsender Mann ist. Trotz allem ist er nicht dumm, er denkt nur sehr realitätsfremd. Armin ist zurzeit noch in einer ambulanten Reha und wird danach wieder versuchen mit einer Wiedereingliederung zu arbeiten. Das heißt im Klartext, wir sind beide tagsüber nicht zu Hause so das wir ihm nicht die Betreuung geben können die er braucht. Ich habe mich im Internet ein bisschen über seine Krankheit erkundigt und weiß überhaupt nicht wie ich damit umgehen soll. Ich weiß nur, das Armin und ich uns immer irgendwie um ihn kümmern müssen, ob er jetzt in ein Wohnheim muss oder sonst wohin. Er wird wahrscheinlich nie mehr ein normales Leben führen können. Allerdings gebe ich die Hoffnung auf den Fortschritt der Medizin nicht auf. Was mir allerdings Sorgen macht ist die Gesundheitsreform. Wie teuer wird es mal werden??? Kann man es sich dann überhaupt noch leisten????? Unser Geldbeutel wird allein schon für Armins chronische Erkrankung geschröpft, denn krank sein ist in Deutschland doch sehr teuer geworden und der chronisch Kranke ist dabei der ge*******.

Armin nimmt viele Medikamente, die er mittlerweile selbst bezahlen muss und dann noch die Zuzahlungen  für Rezepte und Physiotherapie. So wie früher mal spontan essen zu gehen, muss heute genau durchgerechnet werden ob unser Geldbeutel das noch zulässt. Ach was soll’s, es gibt Menschen denen geht es in finanzieller und gesundheitlicher Sicht viel schlechter als uns.

09.08.2006

Armin hatte einen leichten Schlaganfall. Letzten Dienstag früh morgens wachte er auf und klagte über einen Schwankschwindel. Er konnte sich kaum auf die Beine halten, stolperte immer nach rechts und hatte Schwierigkeiten sich zu orientieren. Wir haben als allererstes an einer Unterzuckerung gedacht, was sich aber nach dem Messen nicht bestätigte. Als seine Sprache verwaschen wirkte vermutete ich sofort einen leichten Schlaganfall. Wir fuhren zum Arzt, der Armin direkt in die Klinik einwies. Mein Verdacht bestätigte sich und Armin kam erst einmal auf die „ Stroke it" Station (speziell für Schlaganfälle.) Auf dieser Station werden ähnlich wie bei einer Intensivstation die Vitalfunktionen überwacht, um zu schauen ob noch weiter Schlaganfälle folgen. Die nächsten 36 Stunden waren hier für entscheidend. Er bekam sofort blutverdünnende Medikamente, so dass sich seine Beschwerden innerhalb von 2 Tagen zurück gebildet haben. Er wurde gestern wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Zu seinen Medikamenten muss er jetzt auch blutverdünnende Mittel einnehmen. Wir haben im Krankenhaus erfahren, das Schlaganfälle  zu den Spätrisiken bei Diabetes gehören.  Armin hat zu allem Unglück noch riesiges Glück gehabt. Pattys Aufenthalt in der Klinik hat sich auf Grund dieser Situation weiter nach hinten verschoben. Panisch hatte ich die Betreuerin von Patty angerufen und ihr die Situation erklärt. Sofort wurde eine einstweilige Verfügung über einen längeren Aufenthalt erwirkt. Ich hätte es auch nicht geschafft Patty nach Hause zu holen, während Armin noch in der Klinik liegt. Ich hatte eine wahnsinnige Angst wie es weitergehen sollte, denn bis dahin wusste ich ja nicht ob sich Armin wieder erholt. Gott sei Dank ist alles doch gut verlaufen, allerdings muss Armin jetzt viel vorsichtiger leben. Am 23.8 haben Pattys Betreuerin und ich wir für Patty einen Termin in einer Spezialambulanz. Mal schauen was uns dort erwartet. Ich hoffe man kann Patty dort weiter wenigstens ambulant weiter behandeln. Wir haben leider immer noch keinen Platz für seine weitere Betreuung, denn überall sind sehr lange Wartezeiten. Ansonsten geht es Patty den Umständen entsprechend gut.

10.08.2006

Ich sollte den Tag nie vor den Abend loben. Patty ist aus der Klinik abgehauen. Diesmal kam sein Anruf aus Hamburg.

Ich habe keine Lust mehr!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

 

19.August 2006

Patty stand am mächsten Tag wieder vor unserer Tür. Nicht desto Trotz war ich ziemlich wütend auf ihn und vor allen auf die Klinik.

Pattys  verlängerter Aufenthalt war per richterliche Verfügung. Am Tag seiner ursprünglichen Entlassung unterschrieb Patty allerdings das er weiter freiwillig in der Klinik bleiben würde, so das die richterliche Anordnung gegenstandslos wurde. Am Tag seines Verschwindens aus der Klinik war das Personal dort noch nicht einmal in der Lage uns oder Pattys Betreuerin, die ja Gesundheitsfürsorge oder das Aufenthaltbestimmungsrecht hat zu benachrichtigen. Ich konnte es einfach nicht glauben wie gleichgültig man darauf reagierte. Für mich ist das ein Skandal ohnegleichen. Ich meine man liest und hört ja viel was in Psychiatrien in Deutschland so vorgeht und jetzt habe ich das mehrmals am eigenen Leib spüren müssen. Patty wurde rückwirkend entlassen, so das eigentlich eine erneute richterliche Verfügung beantragt hätte werden müssen. Mir war das alles zu blöd und mit Absprache der Betreuerin wohnt er bis auf weiteres wieder bei uns. Der Termin in der „Spezialambulanz“ hat sich allerdings auf den 29.08. verschoben. Dort wird man Patty erst einmal weiter behandeln. Letzten Dienstag hatten Armin, die Betreuerin und Patty einen Termin in ein Wohnheim  speziell für psychisch Behinderte Menschen. Armin und die Betreuerin sind sehr angetan von dieser Institution, gerade weil dort auch viele junge Menschen sind. Es ist eine Einrichtung mitten im Wald, obwohl im Ruhrgebiet gelegen. Im Haus sind Ergotherapien, ärztliche Versorgung und je nach Schweregrad der Kranheit,  jede Menge Möglickeiten schulisch oder auch beruflich wieder Fuss zu fassen. Patty würde dort aufgenommen werden, allerdings mit Wartezeiten bis zu einem halben Jahr. Patty selbst soll ohne Hilfestellung eine handschrifliche Bewerbung, sowie einen Lebenslauf schreiben, egal wie das Ergebnis aussieht. Das ist natürlich eine schwierige Hürde für ihn, da er gerade diese Fähigkeiten nicht mehr so beherrscht. Ich soll ihm dabei auf keinen Fall helfen.

Vor längerer Zeit haben wir für Patty einen Antrag auf Grad der Behinderung gestellt. Heute morgen kam der Brief vom Versorgungsamt. Das Amt hat ihn auf 80% eingestuft. Zuerst war ich geschockt, denn mit einem so hohen Grad habe ich nicht gerechnet. Mein Vater bekam nach einem schweren Schlaganfall mit Folgeschäden und einem Alter von 71 Jahren,  beim ersten Antrag 70 %. Armin klagt gerade beim Sozialgericht auf einen Verschlimmerungsantrag von mindestens 60%, da er bei seinen multiplen Erkrankungen erhebliche Einschränkungen einbußen muß. Patty bekommt sofort die 80 %. Wieder einmal werde ich damit konfrontiert wie krank er wirklich ist. Manchmal will man das als Mutter einfach nicht wahr haben, zumal er vor wenigen Jahren noch kerngesund war. Trotz allem hilft ihm der Scherbehindertenausweis vielleicht auch früher in das Wohnheim zu kommen und die Kostenübernahme wird schneller bewilligt. Durch den Schwerbehindertengrad  erübrigt sich dann so manches ärztliches Gutachten.

24.08.2006

Patty hat es tatsächlich geschafft. Er hat einen Lebenslauf und die Bewerbung geschrieben,...............und das für seine Verhältnisse erstaunlich gut. Ich bin richtig stolz auf ihn. Mir zeigt das aber auch, daß der Wunsch in diesem Heim aufgenommen zu werden recht groß sein muß. Jetzt beginnt das zermürbende Warten auf Kostenzusage und einen freien Platz. Hoffentlich dauert das alles nicht so lange. Zeit spielt da wie so oft in der Vergangenheit gezeigt eine große Rolle, mit anderen Worten; wir haben keine Zeit.

Im Moment denke ich viel an Manu, die schon oft in meinem Gästebuch geschrieben hat. Ihrem Sohn geht es seid dem  im Gästebuch geschilderten Unfall sehr schlecht. Ich hoffe und bete für sie und ihrem Sohn.

 

22.09.2006

Patty hatte am Freitag das Aufnahmegespräch in dem Heim. Wenn die Kostenzusage bewilligt ist darf er einziehen.Das ging bis jetzt doch alles schneller als ich geglaubt habe. Soweit geht es ihm auch gut. An manchen Tagen bemerken wir allerdings die Schwere seiner Krankheit. Trotz allem glaube ich nicht daran das die Prognose so ungünstig sein soll.

Im Moment sorge ich mich mehr um Sammy. Er hatte einen Jungen verhauen, der wohl Cannabis verkauft hat und eine Anzeige wegen schwerer Körperverletzung bekommen. Armin und ich waren die Woche mit ihm bei der Jugendgerichtshilfe. Es wird auf jeden Fall zu einer Verhandlung kommen. Sammy selbst findet sein Verhalten richtig, ich habe ihm aber versucht beizubringen, dass Selbst-justiz in Deutschland verboten ist. Er hätte diesen Jungen besser anzeigen sollen. Als Sammy mir dann gesagt hatte, dass sämtliche Aneigen meinerseits ja auch nicht gebracht haben, geriet ich in Erklärungsnot.

 Dann haben wir noch einen Termin in der Schule. Sammy hat keinen Bock mehr auf Schule, will lieber arbeiten gehen. Alle Versuche ihm zu erklären wie wichtig Schule und Ausbildung ist fruchten einfach nicht. Vorsichthalber haben wir einen Termin bei der Berufsberatung gemacht. Im Moment ist Sammy stur und bockig und versaut sich dabei alles selbst. Als dann auch noch sein Lehrer anrief und uns erzählte das Sammy schwänzt, oder auch nicht mitarbeitet leuteten bei mir sämtliche Alarmglocken. Ich muß mich jetzt wirklich mehr um meinen Jüngsten kümmern, er braucht mich jetzt mehr denn je. Vielleicht ist das auch nur ein Hilfeschrei.........., vielleicht ist das auch nicht der erste Hilfescfhrei, nur vor lauter Sorge um Patty habe ich da nicht hingehört.

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