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Die Zeit danach
Gästebuch 4

 

  In meinen Diarys wimmelt es von Rechtschreibfehlern, Wortwiederholungen und zu langen Absätzen. Dieses ist darauf zurückzuführen, dass ich die Tagebucheintragen mit vielen Tränen und unter enormen Belastungen geschrieben habe. Dies im Nachhinein zu ändern, wäre nur ein Verfälschen. Bitte haben Sie Nachsicht mit mir;-) 

14.05.2013

Patty hat keinen gesetzlichen Betreuer mehr. Entweder hat die Betreuerin das Amt abgegeben, oder Patty hatte sie abgelehnt. Jedenfalls ließ man ihm die freie Entscheidung, ob er einen neuen Betreuer benötige. Patty lehnte jede Art von Betreuung ab und da er nicht im Koma liegt, noch Alzheimer hat oder dement ist, darf er nach freien Willen selbst entscheiden. Ich habe sofort Beschwerde beim Amtsgericht eingelegt, mit der Androhung das wenn wieder etwas passiert den Richter, das Betreuungsamt zur Verantwortung zu ziehen und dementsprechend die Öffentlichkeit zu informieren. Das ist etwas was ich nicht akzeptieren kann. Wie kann man einen Menschen zu dessen Krankheit eine fehlende Krankheitseinsicht als Symptom gehört noch entscheiden lassen. Ich habe meinem Arzt davon erzählt und der ist ganz anderer Meinung wie das Betreuungsgericht. Er hilft mir mit Rat und Tat. Es ist so viel passiert und dass da etwas passiert kann man vermeiden. Ich bin stinkesauer!!! Das ganze Betreuungsrecht müsste nochmals überarbeitet werden, denn in Fällen von Drogen und schwerwiegenden Psychosen, oder Schizophrenien geht es nicht um alte, gebrechliche Personen, sonder um Erkrankte mit häufiger Fremd und Eigengefährdung. Patty ist seit dem 1.Mai obdachlos, seine Finanzen nicht geregelt, abgesehen davon dass sich die letzte Betreuerin nicht darum gekümmert hat dass er sich in ärztlicher Behandlung begibt. Er wirkt verwahrlost, ist abgemagert und krank. Seit zwei Wochen haben wir auch kein Lebenszeichen mehr von ihm. Ich bin mal gespannt wie sich das Gericht und gerade dieser Richter zu meinem Schreiben äußert.

23.06.2013

Die Antwort vom Gericht war mehr als lächerlich. Der Richter gibt mir in allen Punkten Recht, aber ihm wären die Hände gebunden. Da Patty sich nicht betreuen lässt wäre dieses auch zu kostenintensiv. Ebenso habe ich mit dem Schreiben erfahren, dass die Betreuerin aufgrund massiver Bedrohungen das Amt niedergelegt hat. Natürlich wehre ich mich weiterhin gegen den Beschluss.

Vor etwa drei Wochen stand Patty verwahrlost vor der Tür. Er hat dann bei uns gebadet, gegessen und seine Kleidung gewaschen. Als er mir gegenüber wieder sehr aggressiv wurde, habe ich ihn die Tür gezeigt. Das war wieder das letzte mal, dass ich ihn sah oder etwas von ihm hörte. Es macht mich unendlich traurig was aus meinem Sohn geworden ist. Oft frage ich mich ob überhaupt noch etwas von seiner alten Persönlichkeit in ihm ist? Ob sie noch da ist, oder in ihm schlummert, vielleicht irgendwann wieder zum Vorschein kommt? Habe ich meinen Sohn verloren? Diese Fragen tun weh!!!

Was ist aus mir geworden? Anfangs gekämpft wie eine Löwin und mittlerweile ein unruhiges Etwas. Jahrelanger Kampf gegen Windmühlen fordern eben einen Preis, nämlich die Erkenntnis diesen Kampf zu verlieren und versuchen zu akzeptieren. Mir immer wieder einreden das ich alles  versucht habe was mir möglich war. Ich habe versucht mich zu halten, was mir sehr schwer gefallen ist, denn auch meine Seele und mein Körper fordern ihren Tribut. Man sollte die Träume die man mal hatte in eine andere Richtung lenken, sodass sie für einen selbst erreichbarer werden. Das ist ein schwerer Lernprozess. Das Schicksal annehmen so wie es ist.

Wenn mich heute eine betroffene Mutter fragen würde, würde ich ihr raten sich selbst nicht zu vergessen. Denn wer sich selbst vergisst, vergisst auch alles Wichtige was um einen herum ist. Ich habe einen aussichtslosen Kampf gekämpft und habe dabei viel verloren. Man sollte zuallererst den Kampf mit sich selbst aufnehmen und der beginnt mit dem Durchschneiden der unsichtbaren Nabelschnur der suchtkranken Kinder. Ich glaube nur so kann man sich und vielleicht dem suchtkranken Kind helfen. Für mich und vielleicht auch für Patty kommt diese Erkenntnis zu spät.

16.07.2013

Am Donnerstag muss ich zu einem persönlichen Gespräch am hiesigen Amtsgericht. Es soll über meine Beschwerde gegen den Beschluss vom Betreuungsgericht gesprochen werden. Ich weiß noch nicht was auf mich zukommt. Ich habe nur die Befürchtung das wieder nicht geholfen wird. Es gab ja eine Zeit in der Patty ohne gesetzliche Betreuung war. Da ging es schon gesundheitlich und finanziell mit ihm bergab. Ende letzten Monats war er bei uns. Man sieht ihm an das er auf der Straße lebt. Gesundheitlich habe ich ihn noch nie so schlecht gesehen. Körperlich wie geistig!!! Es kann doch nicht seine Entscheidung sein so zu leben! Meistens war er geistig abwesend, wenn ich mit ihm sprach. Dann redete er wieder mit irgendwelchen in seiner Phantasie existenten Personen. Manchmal erkennt er nicht mal mehr mich,....seine Mutter. Er beschimpft mich dann auch sehr obszön. Eine Nacht hat er hier geschlafen. Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört.

In den quälenden  langen Nächten muss ich oft an ihn denken. Man hört nicht auf Mutter zu sein und die Angst vor schlechten Nachrichten ist allgegenwärtig. Tagsüber versucht man zu verdrängen und zu funktionieren.

22.07.2013

Der Termin beim Richter brachte nur soviel das wir zur nächsten Instanz gehen. Da Patty sich wahrscheinlich nicht mehr in unserer Stadt ist, sowie keinen festen Wohnsitz mehr hat, kann es sein das das Gericht bei uns nicht mehr zuständig ist. Außerdem habe ich erfahren das die letzte Betreuerin schon regen Schriftwechsel mit diesem damals noch " zuständigen " Richter hatte, da sie sich nicht in der Lage  sah Patty weiterhin u betreuen. Wir als Eltern hat man natürlich nicht darüber informiert." Es gäbe Fälle von Betreuten, die sich nicht betreuen lassen", so der Richter," wie in unserem Fall." Er würde die Sache gerne abschließen, aber wir weigern uns und gehen weiter. Soviel dazu!!!

Als wir das Gespräch hatten, habe ich zuerst das Wort geführt. Reden konnte ich immer besser. Doch diesmal!! Nach einigem hin und her mit dem Richter bekam ich plötzlich keine Luft mehr. Mir schnürte sich auf einmal regelrecht die Kehle zu. Ich habe zwar Asthma, aber das war kein Anfall. Ich kann es nicht beschreiben, es war einfach schlimm. Armin erkannte sofort meine Situation ( in letzter Zeit passiert mir das öfters) und übernahm das Wort. Mit einer Hartnäckigkeit und Konsequenz blieb er auf seinem Standpunkt bestehen." Unser Sohn ist krank und braucht Hilfe, bevor Schlimmeres passiert. Wir wollen uns später nicht den Vorwurf machen und machen lassen, nicht alles versucht zu haben." beharrte er.  Mein Mann ehe wortkarg bei Behörden, hat gelernt in all den Jahren. Ich war froh das er bei mir war.

...........und trotzdem habe ich das Gefühl, dass all das was wir versuchen zu nicht führt!!!!

3. August 2013

Mit einem unguten Gefühl habe ich heute die Post aus unserem Briefkasten geholt. Das Gefühl hat mit nicht getäuscht. Das Schreiben vom Landgericht war da und meine Beschwerde wurde zurückgewiesen

Begründung: Eine Betreuung kann auch wegen Zwecklosigkeit aufgehoben werden.

Mein Sohn ist untergetaucht, hat seine Wohnung gekündigt und die Betreuerin massiv bedroht. Es ist nicht hinnehmbar und einem Betreuer nicht zumutbar, wenn er bei Ausübung der betreuerischen Tätigkeiten um seine Sicherheit Sorge haben müsste und ob des Verhalten des Betroffenen die Inanspruchnahme polizeilichen Schutzes erwägen müsste.

Ich kann Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof binnen einen Monat einlegen.

Die Bedrohungen gegenüber der Betreuerin wurden verbal und telefonisch getätigt. Wenn Patty uns bedrohte, ob persönlich, telefonisch oder bei kleineren Handgreiflichkeiten als Sachbeschädigung oder uns gegenüber, sprach man von einer latenten Gefahr  für die es keiner weiteren Handlung bedarf.

Die Betreuerin hat nie ihr Recht von einem PsychKG Gebrauch gemacht, selbst wenn sie sich von Patty bedroht gefühlt habe. Wir konnten erst Hilfe holen, nachdem das Kind im Brunnen gefallen ist. Erst als Patty für sich, oder einen seiner Familienangehörigen in Gefahr waren. Meistens entwickelten sich die Eskalationen über mehrere Tage, manchmal auch Stunden. Habe ich sie versucht zu erreichen ( war auch oft nicht drin, die Dame hatte ja Bürozeiten) hatte sie uns immer gesagt, das sie da nicht machen könne, da ja noch nichts passiert sei. Wenn es soweit wäre sollte ich dann die Polizei rufen:

Ich als Mutter kann von keinem Recht Gebrauch machen. Ich muss abwarten bis Patty für sich, oder mich, oder irgendjemand eine manifeste Bedrohung wird.

.

Am Dienstag habe ich einen Termin beim Anwalt.

19.08.2013

Leider komme ich erst heute dazu, zum  schreiben was der Termin beim Anwalt gebracht hat.

Er hat uns auf jeden Fall abgeraten bis zum Bundesgerichtshof zu gehen, sondern eine neue Betreuung mit seiner Hilfe zu beantragen. Zum Bundesgerichtshof sind nur spezielle Anwälte zuständig und da wir nur einen Verkehrsrechtschutz haben würde auf uns eine kaum zu bewältigende Kostenwelle zukommen. Zudem haben zwei Richter schon entschieden, sodass aufgrund mangels öffentliches Interesse der Bundesgerichtshof ebenso entscheiden würde wie die Richter zuvor. Es würde nicht einmal ein Verfahren geben. Trotzdem möchte sich unser Anwalt zuvor Pattys Betreuungsakte zukommen lassen. Laut unseren Schilderungen ist in der Betreuung vieles schief gelaufen. Patty hätte niemals eine Rechtsanwältin als Betreuerin bekommen dürfen, da er mehr als nur behördlich betreut werden muss, so wie eben die Gesundheitsfürsorge u.s.w.

Ich habe dem Anwalt von meiner HP und unserem Forum erzählt und wie vielen Eltern es ebenso geht wie uns. Mir geht es nicht darum das Patty eingesperrt wird, sondern das er einfach Hilfe bekommt. Hilfe die ich ihm als Mutter gar nicht geben kann.

Wir hören ganz selten was von Patty. Vielleicht einmal im Monat. Dann steht er vor unserer Tür, verwahrlost, krank, immer im Gespräch mit irgendwelchen Stimmen die er hört. Wir bieten ihm an zu baden, zu essen oder hier zu schlafen. Dann isst er was und verschwindet wieder, irgendwohin. Wir wissen nicht wo er sich aufhält, denn er erzählt uns nichts. Er hat nichts mehr außer die Klamotten auf dem Leib................und ein kleines Stofftier aus Kindertagen, das er sich immer in einem Socken steckt, wahrscheinlich um es nicht zu verlieren. Ich habe das Gefühl das dieses kleine Stofftier noch sein einziger Halt ist. Das hört sich vielleicht für den einen oder anderen lächerlich an, doch mir tut es in der Seele weh. Wenn ich lange Zeit kein Lebenszeichen von ihm habe, träume ich die schlimmsten Dinge. Oftmals liege ich nächtelang wach und empfinde diese Sorgen als unerträglich. Ich bin seid dem 23. Mai wieder krankgeschrieben und nicht mehr in der Lage zu arbeiten. Während die Arbeit nach Kirstins und Uwes Tod eine Ablenkung war, ist sie durch die neue Situation mit Patty unerträglich geworden. Ich habe immer wieder gedacht ich muss das alles akzeptieren und mich abgrenzen. Es ist so schwer das zu tun

04.09.2013

Endlich ein Lebenszeichen. Nachdem wir ursprünglich eine Vermisstenanzeige aufgeben wollten, haben wir von dem Polizeibeamten erfahren das Patty in Haft ist. Er ist wohl aufgegriffen worden ca. 200 km von unserem Wohnort und hat ihn aufgrund eines Haftbefehls wegen             " Schwarzfahrens" direkt in die nächstgelegende JVA gebracht. Dort ist er seid dem 8. August. Der Beamte kannte unseren Sohn noch aus jugendlichen Zeiten mit kleinen Beschaffungskriminalitäten. Eigentlich hätte er uns diese Auskunft nicht geben dürfen, so wie er sagte, aber aufgrund seiner Krankheit und unserer Sorge tat er es trotzdem. Dafür bin ich ihm dankbar.  auch das er uns den Rat gegeben hat, weiterhin am Verfahren der Betreuung festzuhalten und auch im jetzigen Fall den Anwalt einzuschalten. Patty wäre zu krank für eine Inhaftierung. Ebenso gab er uns Telefonnummer, Faxnummer und das Akz.

Was soll ich schreiben. In meinen schlimmsten Träumen habe ich mir ausgemalt was mit Patty passiert sein könnte. Jetzt weiß ich das er lebt und ich bin so froh darüber. Der Beamte sagte mir das die Straße für so einen kranken Menschen gefährlicher wäre, wie der Knast und ärztlich versorgt wäre er in einer JVA auch. Ich sollte zufrieden mit der Nachricht sein, aber auch alles versuchen ihn wieder unter Betreuung zu bekommen, weil bald auch der kalte Winter einsetzt. Ich bin zufrieden mit der Nachricht und einfach nur noch froh das er lebt. Ich erzählte den Beamten das Patty keine Papiere bei sich hatte und mir das Schlimmste ausgemalt habe. Auch da konnte er mich beschwichtigen da Patty mehrfach erkennungsdienstlich erfasst wurde. 

Niemals in meinem früheren Leben hätte ich mich über die Nachricht, " Das mein Sohn im Knast ist" so freuen können wie heute. Er lebt,.......und ich hoffe es geht ihm einigermaßen gut. Trotzdem stellt sich mir die Frage warum er mich nicht angerufen hat?

Ich habe heute das letzte aktuelle Fooa aus dem Schrank geholt, um es gegebenfalls der Polizei zu geben. Ich konnte es kaum anschauen, so weh tat mir das. Immer wieder hatte ich Tränen in den Augen.

Ich habe ein schönes Erlebnis diese Woche gehabt. Ich war beim Friseur und diese Friseuse die mich bedient hatte kannte Patty aus früheren Zeiten. Sie erzählte mir das sie total in ihn verknallt war und viele ihrer Freundinnen auch. Sie hat allerdings auch den Anfang des Abstieges mitbekommen und jeder der Patty früher kannte bedauert diese Entwicklung. Sie hat mir die Haare sehr schön gemacht, mich gefragt ob sie es so machen dürfte wie sie machen würde. Ich habe sie gelassen und ich sah toll aus. Dabei haben wir uns über die alten Zeiten unterhalten uns sie erzählte mir was der alte Freundeskreis von Patty heute macht. Das hat mir so gut getan, vor allen Dinge weil sie von Patty erzählte wie er eigentlich war. Habe ich vergessen was für ein toller Junge er mal war? Ich muss jetzt aufhören, ich weiß nicht warum ich gerade so heule.

12.09.2013

Wir haben uns mit der JVA in Verbindung gesetzt und dort über einen Sozialarbeiter auch bereitwillig Auskunft bekommen. Patty ist verwahrlost und in einem sehr schlechten desolaten, gesundheitlichen Zustand dort angekommen.

 Es ist in eine Haftanstalt mit kurzen Haftaufenthalten, sowie Abschiebehäftlinge. Mit psychischen Erkrankungen scheint man sich dort auszukennen. Patty ist in ärztlicher Behandlung, bekommt Medikamente und ganz langsam kommt man an ihn ran.

Ich habe ihm zwischenzeitlich  einen Brief geschrieben. Er hat auch angerufen und möchte das wir ihn besuchen kommen. Am Sonntag fahren Armin und ich zu ihm, dürfen allerdings nur eine Stunde bleiben. Ich weiß nur noch nicht was nach der Inhaftierung ist. Für einige Zeit kann er ja zu uns.

Ich habe kommenden Dienstag nochmals einen Termin bei unserem Anwalt. Er hat zwischenzeitlich die Betreuungsakte erhalten. Mal schauen was er uns jetzt rät.

Zwischenzeitlich ist ebenso meine Mutter wieder ins Krankenhaus und wird am Montag operiert. Sie macht mir im Moment großen Kummer und dennoch sage ich mir sie ist im Moment gut versorgt. Manchmal kommt so vieles auf einmal, aber auch ich muss kommenden Mittwoch für ein paar Tage ins Krankenhaus und möchte diesen Termin nicht wieder aufschieben. Der Zeitpunkt dann zu gehen, erscheint mir äußerst  günstig. Alles ist versorgt!!!

Im Oktober werde ich über einen längeren Zeitraum eine Reha antreten, ich hoffe nur das ich diese beruhigt antreten kann.

21.12.2013

 

Ich werde wahrscheinlich erst Anfang Februar aus der Reha entlassen. Bis dahin werde ich keine neuen Einträge schreiben. Bis dahin wünsche ich Euch einen guten Rutsch ins neue Jahr. Ich hoffe das all unsere Träume und Hoffnungen sich 2014 erfüllen.

 

 

Ich wünsche Euch allen ein friedliches besinnliches und ruhiges Weihnachtsfest

Weihnachten wird es für die Welt!
Mir aber - ist mein Lenz bestellt,
Mir ging in solcher Jahresnacht
Einst leuchtend auf der Liebe Pracht!
Und an der Kindheit Weihnachtsbaum
Stand Englein gleich der erste Traum!
Und aus dem eiskrystall'nen Schooß
Rang sich die erste Blüte los -
Seitdem schau' ich nun jedes Jahr
Nicht was noch ist - nur was einst war!
 

(Adele Schopenhauer)

26.02.2014

........und der ganz normal Wahnsinn geht weiter.

Nachdem Patty aus der JVA entlassen wurde war er erst einmal bei uns zu Hause. Sein Zustand nach wie vor paranoid. Dann war er wieder weg. Wieder wußten wir nicht wo er war. Allerdings trösteten Armin und ich uns damit, das wir irgendwann Bescheid bekommen wenn man ihn aufgreift,. Der Anruf kam dann am 8.10.2013. Eine Ärztin aus einer hessischen Psychiatrie rief uns an und erklärte uns das Patty bis einschl. 14.11. per PsychKg bei ihnen in der Klinik wäre. Aufatmen bei uns. Wieder ein beruhigendes Gefühl, da wir ja wussten wo er sich befand. Ein warmes Bett, ärztliche Versorgung, Mahlzeiten. Endlich wieder ruhige Nächte ohne Grübeleien. Am 30.10 trat ich dann meine Reha an. Nachdem Patty dann am 14.11 entlassen wurde wohnte er erst mal wieder bei uns. Zum ersten Mal war Armin mit ihm alleine. Mein Mann so oder so überfordert mit der Situation stellte sich diesmal der Situation mit aller Verantwortlichkeit die sonst ich immer übernahm. Patty ging es zu diesem Zeitpunkt erstaunlich gut. Ich muss dazu sagen das ich ab dem 3 Wochenende mindesten einen Tag zu Hause war. Die Rehaklinik war Gott sei Dank nur knapp 40 km von unserem Wohnort entfernt. Zum Leidwesen der Ärzte dort habe ich mich nicht beirren lassen und bin in meiner therapiefreien Zeit oft zu Hause gewesen, obwohl ich wusste das dies sicherlich nicht der richtige Weg war. Patty war trotz allem sehr zugänglich und so manches Mal hatte ich das Gefühl sein altes Ich kam wieder zum Vorschein. Weihnachten war schön. Fast wie zu Zeiten als er ganz gesund war. Im Nachhinein denke ich mir das Patty sich einfach nochmal aufgebäumt hatte. Gegen die Gespenster seiner schrecklichen Erkrankung. Nach Weihnachten hörte er wieder die Stimmen, veränderte sich rapide und war er dann wieder verschwunden und ich,........ weinte in der Rehaeinrichtung viele bittere Tränen. Zu sehr habe ich es genossen zumindest einen kleinen Teil von seiner früheren Persönlichkeit von ihm zu genießen. Später erfuhren wir das er in Klinikum an unserem Wohnort war. Wieder ein paar Tage zu Hause ging er wieder fort. Meine Mutter brach sich zwischenzeitlich den Fuß und Armin war hoffnungslos überfordert, verzweifelt und hilflos. Gott sei Dank wohnt Sammy, mein Jüngster mit seiner Familie in der Nähe meiner Mutter und ich bin meiner Schwiegertochter sehr dankbar das sie sich gekümmert hat. Meine Mutter sowieso gesundheitlich schwer angeschlagen, durch die Trauer ihrer verlorenen Kinder ebenso schwer depressiv. Im Prinzip habe ich meiner Entlassung entgegengefiebert, weil ich auch bemerkt habe das daheim immer mehr aus den Fugen geriet. Therapien bzgl. meiner Traumata konnten fast gar nicht bearbeitet werden, weil die aktuellen Probleme doch sehr belastend waren. Am 30. Januar wurde ich entlassen und kam zu Hause in ein Chaos hinein. Patty wurde immer wieder von der Polizei aufgegriffen und für kurze Zeit in Psychiatrien gesteckt bis die Krise vorbei war. Gestern dann der Höhepunkt. Es klingelt und Patty stand vor der Tür. Am Morgen entlassen worden aus einer Essender Psychiatrie. Wie er es zu uns geschafft hat, keine Ahnung???!!! Er konnte weder sprechen, noch trinken, noch seine Augen richtig öffnen, die Lider geschwollen, gelblich im Gesicht, den Kopf fast nur auf die Zimmerdecke gerichtet. Seine Laute die er von sich gab unverständlich, da seine Zunge nicht mitgespielt hat. Ich habe den Krankenwagen gerufen. In unserem Klinikum ist Patty ja bekannt, der Mensch zweiter Klasse eben. Man spritze ihn was gegen die Nebenwirkungen der Neuroleptika die man ihm in  der Psychiatrie wahrscheinlich in viel zu großen Mengen verabreicht hat, nochmals eine Infusion und dann entließ man ihn wieder. Der behandelnde Arzt ein arrogantes, dickes A...... ( entschuldigt), der uns noch nicht einmal ansah als er mit uns sprach ( zwischenzeitlich ist Armin ins KH nachgekommen). Ein kurzes psychiatrisches Konsil und mein Sohn  konnte entlassen werden. Er ist ja für sich und andere keine Gefahr und hilflos auch nicht, wir Eltern sind ja dabei. Alles kenne ich ja schon, aber ich bin immer wieder entsetzt wie reagiert wird.

Was habe ich für mich daraus geschlossen. Es ändert sich nichts für mich und schon gar nicht für Patty. Patty wird sich ebenfalls nicht ändern, im Gegenteil, es wird alles nur viel schlimmer..............und ich muss mich verbiegen damit ich mit solchen Situationen besser klar komme.

Ich bin nach wie vor arbeitsunfähig aus der Reha entlassen worden um Zeit zu haben wieder gesund zu werden, oder mit meinen Erkrankungen die nicht heilbar sind fertig zu werden. Dabei bin ich in einem Alter um beruflich nochmals durchstarten zu können. Ich glaube das wenn mein Leben etwas einfacher gewesen wäre, diese düsteren arbeitsfähigen Prognosen nicht wären. Ich bin bis vor drei Jahren als es mir noch einigermaßen ging sehr gerne arbeiten gegangen. Ich habe Anerkennung bekommen, mein Geld nach Hause gebracht, mich auf Wochenenden und Urlaub gefreut. Die ganzen Ereignisse und Belastungen haben mich an einen Punkt gebracht, wo ich seelisch und körperlich nicht mehr kann. Ich habe bis heute nicht von der unsichtbaren Nabelschnur meines mittlerweile 30 Jahre alten Sohnes trennen können. Das sollte eigentlich eine Warnung sein für jede Mutter die diese Seiten liest und ein ähnliches Problem mit ihren Sprössling hat. Ich fühle mich von meinen Leben geohrfeigt. All das was ich unternommen habe um meinen Sohn zu retten, hat nicht gefruchtet und aus mir ein körperlich und seelisches Wrack gemacht. Meine Verzweiflung ist in all den Jahren nicht weniger geworden, aber ich lebe mit ihnen. Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr. Es ist keine Belastung für eine kurze Zeit und wenn ich nicht aufpasse wird sie mich ein Leben lang begleiten.

Gerade habe ich die Tür ins Schloss fallen gehört. Patty ist wieder fort!!! 

06-03.2004

 

Nach reiflicher Überlegung und mit Rücksprache meiner Familie mache ich nun den nächsten Eintrag. Knapp 36 Stunden später,  nachdem man meinen Sohn als nicht gefährdet für sich oder andere in unsere Obhut entlassen wurde ist meine Welt aus den Fugen geraten, Ich kopiere einfach den Text den ich im Forum geschrieben habe hierher.

Ihr Lieben,

Ich danke Euch ganz herzlich. Leider sind die Prognosen meiner Verletzungen nicht so günstig. Ich hatte mehrere Frakturen in der Augenhöhle sowie im Oberkiefer. Das alles wurde mit Platten und kleinen Verschraubungen wieder aufgebaut. Heute habe ich erfahren, das mein Auge nicht mehr richtig in der Augenhöhle sitzt. Der Arzt erklärte mir das der Unterschied zum anderen Auge maximal bei einem Grad sein darf. Bei mir sind es 4-5grad. Dadurch sehe ich alles doppelt. Deswegen kann ich auch schlecht schreiben. Aber ich bemühe mich. Im Moment können die Ärzte nicht operieren, da alles zu angeschwollen ist. Ebenso ist mein Gesichtsnerv mit in Leidenschaft gezogen worden. Wir haben uns mit den weißen Ring in Verbindung gesetzt. Armin und ich machen die Ärzte dafür mitverantwortlich. Da bekommen wir jetzt Hilfe. Der Witz des. Ganzen ist, das der Oberarzt aus der Klinik in der Patty gerade ist angerufen hat und mit uns reden will. Wir haben das schön vor einem Jahr gewollt. Da hieß es " Schweigepflicht" musste ich mir erst mein Gesicht zertrümmern lassen damit ich gehört werde!!!!!!!?????? Mein leben ist nicht das was es war. Jeden Tag wenn ich in den Spiegel schaue, werde ich an dieses Ereignis erinnert. Durch den Amoklauf in Düsseldorf habe ich 40 lange Minuten warten müssen bis die Polizei kam. Ich hatte zu dem Zeitpunkt meine kleine Enkeltochter bei mir und mich im Schlafzimmer eingeschlossen. Als dann endlich Armin, sammy und die Polizei kam, konnte ich das Bewusstsein verlieren, denn dann wusste ich das zumindestens meine Enkeltochter in Sicherheit war und so lange habe ich es geschafft gegen diese immer wiederkehrende Ohnmacht anzukämpfen. Patty hat mich so zugerichtet das ich in Notarztbegleitung ins KH musste. Eine leichte Hirnblutung ist nun wenigstens ausgestanden.
Mir war es einfach ein Bedürfnis das heute Euch zu schreiben. Ich bin einfach am Ende mit meinem Latein!

Alles Liebe Anja, Sorry wenn ich vieles durcheinander geschrieben habe

 

Ich bin fürs erste aus dem Krankenhaus entlassen. Ob sich mein Auge erholt oder nochmals nachoperiert wird steht noch in den Sternen. Mein Gesichtsnerv ist ebenfalls angegriffen. Ich traue mich alleine nicht raus. Ich sehe leider auch auf dem rechten Auge schlecht. Durch einen Autounfall im Jahr 2001 habe ich dort einen Gesichtsfeldausfall. Das Linke Auge hat aber die Funktionen übernommen( ja unser Gehirn ist ein Wunder). Da jetzt aber das linke Auge auch verletzt ist bin ich schon sehr eingeschränkt.

Heute werden wir Patty anzeigen. Ich muss diesen Schritt gehen, damit dieses nicht wieder passiert. Der weiße Ring hat sich ebenfalls mit der Polizei in Verbindung gesetzt. Nächste Woche kommen die zu mir nach Hause um mich zu beraten. Ich habe im Moment alle Hilfe die ich angefordert habe. Meine Familie kümmert sich rührend um mich. Sammy geht am Sonntag zu Patty in der Klinik. Ich will das Patty weiß das auch er familieäre Unterstützung erhalten soll. Für meine körperlichen Schmerzen gibt es Medikamente. Ich muss nur noch lernen wie ich meine seelische Wunden lecken soll. Ich bin froh das es mich getroffen hat, denn wäre jemand anders so verletzt worden, hätte ich nicht damit leben können. Es hört sich komisch an, ist aber so. Denn ich werde irgendwann verzeihen können. Das ist eine meiner guten Eigenschaften. Meine Gefühle sind ein wenig durcheinander, denn wenn mir diese Schmerzen und Verletzungen jemand anderer angetan hätte, dann könnte ich wenigstens hassen und wütend sein. So aber bleibt einem nur die Verzweiflung. Ich versuche mich zu halten, habe mich heute morgen schon schick angezogen und frisiert. Das war mir immer wichtig und das möchte ich nicht vernachlässigen. Ich will mich nicht vergrämen und verbittern. Die Sonne scheint heute, das möchte ich wieder sehen können aus vollsten Herzen. Der Frühling war immer für mich die schönste Jahreszeit. Vielleicht gehe ich heute einfach mal in den botanischen Garten und schaue mir einfach das Schöne an, um nicht an das Schreckliche zu verzweifeln.

 

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