Home
Selbsthilfeforum
Diary
Diary II
Diary lll
Diary IV
Diary V
Diary VI
Diary VII
Diary VIII
Diary IX
Diary X
Diary XI
Diary XII
Diary XIII
Diary XIV
Die Zeit danach
Gästebuch 4

 Montag den 21.09.2015

Es ist bald eineinhalb Jahre her als Patty oder besser gesagt Patty Krankheit mich angriff. Eigentlich wollte ich nicht mehr weiter schreiben, doch immer wieder werde ich gefragt wie es weiter ging.

Mir geht es im Gegensatz zu Patrick gut. Natürlich nicht jeden Tag gleich gut, denn es gibt Tage da hatte ich schon verdammte Durchhänger. Aber im Gegensatz zu meinem letzten Eintrag doch recht gut. Ich gehe noch immer  in eine Therapie , so das ich nach und nach das Geschehende der letzten Jahre und die des Übergriffs auf mich, verarbeiten kann.

Meine gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die leider bleiben werden, versuche ich zu akzeptieren. Die Ärzte können da nichts mehr korrigieren, sondern nur noch behandeln und lindern. Also muss ich lernen damit umzugehen ohne Groll dabei zu empfinden. Da meine Rente nur zeitlich begrenzt ist, habe ich jetzt einen Verlängerungsantrag gestellt.

Zu Patty: Leider möchte Patty keinen Kontakt mehr zu uns. Wir sind für ihn das Böse. Lediglich besucht ihn sein Bruder Sammy ab und zu mal. Von ihm erfahren wir dann immer den Status Qou. Pattys Gesundheitszustand verschlechtert sich rapide. Er verweigert die Medikamente und dementsprechend ist dann auch sein Zustand. Sammy kann bei seinen Besuchen kein normales Wort aus ihn herausbringen. Zwangsbehandlungen sind auch in der Forensik verboten. Sammy ist oft niedergeschlagen deswegen und fühlt sich manchmal auch nicht in der Lage ihn zu besuchen. Zur Zeit ist Patty in Isolierung und darf weder Telefonate noch Besuche empfangen. Wir alle wissen nicht was vorgefallen ist, denn bis heute haben wir deswegen keine Auskunft bekommen. Das sorgt uns natürlich.

Das ganze tut auch Armin und mir sehr weh. Meine Sehnsucht nach meinen Sohn ist groß. Dennoch weiß ich das Patty nur in der Forensik eine Überlebenschance hat und vielleicht irgendwann mal eine minimale Chance auf ein einigermaßen würdiges Leben außerhalb dieser Gitter.

Sonntag den 15.05.2016

Einfach mal Mut machen!

Wieder sind einige Monate vergangen und endlich wird es besser.

Es kam der Tag, daß Patty mich sehen wollte. Zuvor war er ja in Isolierung und im Nachhinein haben wir dann auch erfahren, daß man so Patty dazu bringen wollte auf eine medikamentöse Behandlung einzuwilligen. Mit Erfolg! Sein Gesundheitszustand verbesserte sich.

Der erste Besuch war dann gekoppelt mit einer Gesprächsrunde zwischen Arzt, Therapeut, Stationsleiter, Patty, Sammy und mich. Als ich Patty das erste mal dann sah, war die Begrüßung so innig. Wir lagen uns lange in den Armen und hatten beide Tränen in den Augen.

Auch wenn ich mich erschrocken habe, weil ich merkte das er vollgepumpt mit Medikamente war, war ich in diesem Moment so glücklich. Es war als fiel mir ein riesiger Stein vom Herzen und dieses bedrückende Gefühl, was mich immer begleitet hat, war weg.

Zwischenzeitlich habe ich und Sammy ihn dann immer wieder besucht gekoppelt mit Gesprächstherapien.

Patty ging es immer besser und man versprach ihm, dass er bald auf die Station verlegen kann, in der er die nächsten Jahre behandelt wird. Bis dato war er auf der Aufnahme und Krisenstation. Der Umzug auf die neue Station fand dann Anfang Mai statt. Letzte Woche rief Patty dann an und wollte das Armin mitkommt. Armin hat sich riesig gefreut, hatte er seinen Sohn seid der Gerichtsverhandlung ja auch nicht mehr gesehen.

Wir haben ihn dann letzten Sonntag auf der neuen Station besucht. Die Begegnung zwischen Armin und Patty war herzlich.

Pattys Gesundheitszustand ist so gut, wie seid Jahren nicht mehr. Er ist auf einer Station, in der nur Psychosekranke sind. Dort versucht man den Patienten eine Krankheitseinsicht zu vermitteln und diese auch zu akzeptieren. Ich möchte nicht allzu euphorisch sein, sondern einfach nur schreiben, wie erträglich die ganze Situation für uns geworden ist.

Ich habe mich immer davor gefürchtet, dass Patty eines Tages weggesperrt wird. Heute denke ich, dass ist das Beste was ihm/uns passieren konnte. Es gibt im nahen Umfeld viele Menschen die nicht verstehen, dass ich mit meinem Sohn nicht gebrochen habe. Diese Leute müssten erst einmal in meinen Schuhen laufen um zu verstehen, warum ich nicht gebrochen habe. Es ist und bleibt mein Kind!!!!

 

5. September 2016

Leider gibt es nichts gutes zu berichten. Armin hat Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ich bin furchtbar traurig, zumal ich weiß wie ungünstig die Prognose bei diesem Krebs ist. Allerdings ist die Diagnose so zeitig gestellt, daß man ihn am Donnerstag operieren wird. Danach wird, wenn alles gut geht, eine Chemo folgen.

Das Schlimmste ist das er sich selbst aufgibt. Ich spreche ihm Mut und Zuversicht zu, sammel selbst meine ganze Kraft um ihn zum Kämpfen zu bewegen. Die Operation ist gefährlich wie die Ärzte sagen und er hat eine große Angst davor. Ebenso auch die Angst vor der Chemo, die Schmerzen, dem Sterben.

Patty weiß es. Wir hatten das Gefühl das er das Recht hat zu wissen, wie krank sein Vater ist. Bevor wir es ihm gesagt haben, haben wir allerdings das Pflegepersonal informiert.

In mir selbst sind Gefühle die ich vorher nicht so kannte. Waren die Sorgen vorher um das eigene Kind, sind sie um den Lebenspartner doch ganz anders. Jetzt sind die Ängste vor dem was kommt, enorm groß. Die Angst alleine gelassen zu werden.

Wir sind 33 Jahre verheiratet und 35 Jahre zusammen. Wir haben viele Höhen und Tiefen miteinander durchgemacht und nun kämpft mein Mann allein gegen diese tödliche Krankheit. Ich kann ihn nur dabei unterstützen diesen Kampf nicht aufzugeben.

Wie geht es mir dabei?!

Ich bin so wütend auf mein Schicksal und frage mich wie oft es mich in den A.... treten will bis ich umfalle.

 

23. September 2016

.....auch wenn man meint das einem die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs den Boden unter den Füßen wegreißt, steht die Uhr nicht still. Irgendwie lebt man so Tag für Tag mit der Erwartung auf neue Befunde, auf Hoffnung und der Angst vor den nächsten schlechten Nachrichten.

Armin hat die Operation gut überstanden. Der Kopf der Bauchspeicheldrüse, der Zwölffingerdarm, die Gallenblase, Teile des Gallengangs sind entfernt worden. Der Rest wurde mit seinem Dünndarm verbunden. Nach fünf Tagen auf der Intensivstation, konnte er auf die Chirugische verlegt werden. Kostaufbau, Schmerzen und das endlose Warten auf die Ergebnisse der Pathologie. Die Ärzte konnten ein 3,2 cm großes Karzinom und acht Lymphknotenmetastasen entfernen. Option: Port setzen und ein halbes Jahr Chemo.

 

Dann wurde er entlassen. Im Moment geht es ihm sehr schlecht. Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen, kaum ein Schmerzmittel hilft. Dadurch depressiv, keinen Apetitt und wieder drei Kilo verloren. Manchmal sitze ich da und bin selbst hilf- und ratlos.

Ich persönlich habe ebenso Angst vor dem was kommt. Ich freue mich richtig auf den Termin in der Onkologie, weil ich weiß das es dann weiter geht und ihm wenigstens eine vernünftige Schmerztherapie geben kann.

Natürlich spreche ich ihm ständig Mut zu, auch wenn ich innerlich mutlos bin. Dennoch will ich an die paar Prozent glauben, die laut Statistik zu schaffen sind. Armin war schon immer ein Kämpfer. Männerschnupfen brachte ihn fast um, aber ernste Sachen bekämpfte er schon immer mit enormer Kraft. Warum sollte ihn diese Kraft jetzt verlassen und warum sollte ihn diese sch..... Krankheit in die Knie zwingen.?Ich will dran glauben das er es schafft, vor allen Dingen muss er daran glauben. Mit 52 Jahren hat man noch so viel vor in seinem Leben. Gerade jetzt wo wir endlich mal zur Ruhe kamen!!!! Wir haben noch eine Chance verdient für einen gemeinsamen, ruhigen Lebensabend!!!!!!!

  29.11.2016

Pattys 33. Geburtstag war. Ein Alter, indem ich war als mein Sohn seine ersten Joints rauchte. Wir habe ihn besucht und mit kleinen Geschenken unter anderem, einer Fotokolage von der ganzen Familie gemacht. Er bestaunte seine Nichten und seinen im Mai geborenen Neffen. Auch er hätte gerne Kinder gehabt! Es tut uns gut wie er sich entwickelt. Wir hoffen er lernt mit seiner Krankheit zu leben um endlich irgendwann ein eigenständiges Leben führen zu können.

Leider wird unser Leben wieder einmal hart auf die Probe gestellt. Armin hat ca. 20 Meastasen an der Leber. Wir wissen was das bedeutet und doch ist noch eine geringe Hoffnung auf das Arztgespräch am kommenden Dienstag. Jedoch hat einen Entschluß gefasst, den ich akzeptieren werde. Lieben heißt auch Loslassen. Der Gedanke daran zerreißt mich.

Sorry, ich berichte weiter wenn ich kann. Heute geht es nicht mehr. Meine Traurigkeit überrennt mich gerade

10.12.2016

Wenn man die Diagnose Krebs bekommt, muss man lernen zu warten. Auch wenn einem Stunden wie Tage vorkommen und Tage wie Wochen. Der Termin zum Arztgespräch  war lang ersehnt, obwohl es nur wenige Tage bis dahin waren. Ja,.... und dann kam die traurige Nachricht. Armin wird an dieser Krankheit sterben. Wann........, kann uns kein Arzt sagen. Statistiken sollten wir vergessen, aber uns auch keine Hoffnung auf Heilung machen. Palliativ ist nicht gleich Sterbebegleitung, soviel habe ich jetzt gelernt. Palliativ heißt es gibt keine Heilung und es werden Behandlungen zur Lebensverlängerung und Schmerztherapie verordnet. Solange es geht und Armin es will. Irgendwann wenn Armin nicht mehr kann und will  wird man ihm beim würdigen Sterben begleiten. Wie geht ein Mensch mit so einer Diagnose um? Nicht gut!!! Tränen, Wut, Trauer und vor allen diese Hoffnungslosigkeit. Kein Plan für die Zukunft, ausser er habe noch so viel zu erledigen. Resignation, viele, viele Gedanken, gute wie schlechte.

Ich spreche ihm Mut zu, denn wir haben noch eine Zukunft. Zwar nicht allzu viel, aber immerhin. Wir haben die Zeit noch Abschied zu nehmen, gemeinsam Dinge zu unternehmen die uns wichtig sind. Ich will nicht wissen was in einem Jahr ist, sondern mit ihm jeden gemeinsamen Moment genießen den wir noch haben. Wenn er arbeiten möchte, soll er es tun. Soll er das tun was ihm Spaß macht. Das einzige was ich ihm noch schenken kann ist meine Zeit, meine Liebe, mein Umsorgen, unsere Gespräche und unseren Zusammenhalt. Den letzten Gang muß er dann leider alleine antreten. Ich werde nicht alleine um ihn trauern, sondern da gibt es noch unsere Kinder, Enkelkinder, meine Mutter und Familie. Sie alle werden von mir erwarten das ich stark bleibe. Wie immer!!!! Dabei möchte ich jetzt gerade schreien. Meine ganze Wut, meinen Frust, meine Trauer aus der Seele schreien.

Es gibt aber noch so etwas wie einen kleinen Funken Hoffnung tief in mir: Das die Chemo doch noch greift!!!!!

 

23.12.2016

 

Ich wünsche allen eine ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest

 

animiertes-weihnachtlicher-kamin-bild-0016

12 Januar 2017

Ich hoffe das alle gut ins Jahr 2017 gekommen sind.

Die Chemo bei Armin hat gegriffen. Metastasen sind weniger und auch kleiner geworden. Das war eine gute Nachricht. Uns ist etwas Zeit geschenkt worden und wir wollen sie natürlich nützlich und intensiv miteinander genießen. Allerdings macht uns Patty Sorgen. Erst letzte Woche habe ich mit dem Pflegepersonal gesprochen, um Patty doch zu sagen das die Lebenszeit bei Armin begrenzt ist. Wir alle wollten schauen wie wir es ihm sagen.  Vorgestern haben Armin und ich ihn besucht. Im Virfeld sagte man uns das Patty noch immer recht psychotisch ist. Das ist es nicht was mir auch Sorgen macht, denn das wußte ich schon, sondern als ich ihn dann sah, wirkte er sehr gedrückt. Patty hat zu seiner Psychose gerade eine sehr schwere Depression. Er will gar nicht mit dem Arzt oder seinem Bezugspfleger darüber reden. Es hat mich erschrocken das er nicht mehr leben will. Er war sehr traurig, einsilbig und monoton. Ich bin froh das wir ihm noch nicht geagt haben wie es um Armin steht, zumal es jetzt ja bei Armin etwas besser aussieht.Patty mußte Armin und mir versprechen, daß er sich nichts antut. Das Pflegepersonal haben wir über seinen depressiven Zustand informiert. Ich galube aber das sie auch darauf geschult sind, damit umzugehen.

Nach dem Besuch bei Patty fiel ich erst einmal in ein riesiges Loch. Ich mußte mir heute erst einmal in den Hintern treten, damit ich wieder rauskrabbel. Die Traurigkeit wandelt sich um in Wut. Wut darüber das man nicht zur Ruhe kommt, weil immer irgendwas kommt. Ich werde mir einen Boxsack kaufen und so darauf rumtrimmen bis ich meine ganze Wut rausgeprügelt habe. Vielleicht ist das eine gute Selbsthilfe.

 

17.04.2017

Eine längere Zeit habe ich nicht geschrieben. Manchmal brauche ich etwas Abstand, zudem gibt es auch so etwas wie Schreibblokaden. Für vieles findet man nicht die richtigen Worte, weil der Kopf und manchmal auch die Seele zumacht.

Mittlerweile  weiß Patty von Armins Krebserkrankung. Er ruft jeden Tag an, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen. Patty geht es auch wieder etwas besser, obwohl zwischenzeitlich immer kurweilige depressive Episoden auftreten. Unsere Familie geht ihn auch in kürzeren Abständen besuchen. Das heißt das seine Oma, mein Neffe und Sammy regelmäßig bei ihm vorbei schauen. Zum Pflegepersonal haben wir alle einen guten Kontakt. Auch bekommen wir regelmäßig Updates über seinen gesundheitlichen Zustand. Ich freue mich über jeden Anruf und jeden Besuch bei ihm.

Armin geht es leider immer schlechter. Alle zwei Tage kommt der Pflegedienst und setzt ihn künstliche Nahrung über den Port. Er hat Wassser in den Beinen, Nervenschädigungen in den Fingern, Zahnfleisch stark entzündet und oft übergibt er sich. Seine Kräfte lassen nach und nach, nach.Vieles sind Nebenwirkungen der Chemo, doch auch der Krebs raubt ihn seine Energie. Die Schmerzen machen ihn oft ungerecht und mißmutig mir gegenüber.

Wir ziehen im Juni in eine kleine Wohnung mit geringerer Miete.Armins Ziel ist es mir diese Wohnung einzurichten. Ich habe nur furchtbare Angst davor, das er dann denkt, daß er gehen kann.Ich möchte noch eine lnge Zeit mit ihm auch in der neuen Wohnung genießen. Sammy zieht in unsere jetzige Wohnung. Wir sind dann nur ein paar Häuser voneinander entfernt, denn Sammy möchte sich gerne um uns kümmern, da auch ich wieder schwer erkrankt bin. Nach mehreren Darmoperationen trage ich einen vorübergehenden künstlichen Darmausgang.Durch die Menge der OP´s erhole ich mich sehr schwer und habe leider noch starke Schmerzen. Ich werde aber hoffentlich wieder gesund.  

Manchmal frage ich mich, ob das der Preis für diesen jahrelangen Stress ist, ohne Patty einen Vorwurf machen zu wollen.

 

Weiter
Top
www.bittere-traenen.de, eu, com | bitteretraenen@googlemail.com